24.10.2011

A + A 2011 in Düsseldorf
Wir waren für Sie vor Ort!

A+A 2011

 

„Safety´s No. 1“: A+A 2011 schließt mit starkem Besucher-Plus – mehr als 60.000 kamen nach Düsseldorf

Mit einem Aussteller- und Flächenbuchungsrekord war die A+A 2011 in Düsseldorf gestartet und nach vier Tagen Laufzeit (18. – 21. Oktober) kann die international führende Fachmesse mit Kongress für Persönlichen Schutz, betriebliche Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit auch einen neuen Besucher-Spitzenwert verzeichnen. 60.100 Fachbesucher, so viele wie nie zuvor in der Veranstaltungshistorie (2009: 55.800), informierten sich bei den gut 1.600 Ausstellern aus 54 Nationen über aktuelle Trends und Produktinnovationen rund um sicheres und gesundes Arbeiten und die Realisation störungsfreier Betriebsabläufe.

Der ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen und Arbeitsprozessen in Produktion und Büro widmete sich die A+A insbesondere mit dem Themenpark „WorkplaceDesign“ in Halle 7a. Hier ging es vorrangig um die Vermittlung von „Best Practices“ unter Berücksichtigung der Kriterien menschengerechter Arbeitsgestaltung, Mensch-Maschinen-Schnittstellen, Prävention und Wirtschaftlichkeit.

A+A 2011

Der Themenpark „WorkplaceDesign“ setzte sich zusammen aus Aussteller-Präsentationen zum Thema Ergonomie, dem internationalen Gemeinschaftsstand des „Ergonoma“-Journals (Frankreich)  der Sonderschau „Ergonomische Arbeitsgestaltung in Produktion und Büro" (organisiert vom Dr. Curt Haefner Verlag in Kooperation mit dem DNB - Deutschen Netzwerk Büro und arbeitswissenschaftlichen Instituten) sowie einem Bühnenprogramm mit aktuellen Vorträgen, Diskussionen und Präsentationen zur ergonomischen Arbeitsgestaltung (organisiert von der Basi e. V.).

Die Sonderschau bot dabei ein umfassendes Informations- und Präsentationsangebot und zeigte auf, wie durch gesunderhaltende, ergonomische und wirtschaftliche Gestaltung von Arbeitsplätzen neben der Produktivität auch die Motivation und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter erhöht werden kann.

Best Practices fürs Büro
Das Thema Büro wurde in der Sonderschau des Themenparks „WorkplaceDesign“ mit mehreren Beispielen illustriert:

Mehrpersonenbüro
Der Mitarbeiter verbringt heute durchschnittlich nur noch ca. 30 bis 50 Prozent der tariflichen Arbeitszeit im Büro des Unternehmens. In der übrigen Zeit ist er beim Kunden vor Ort, als Reisender unterwegs oder er arbeitet im „Home Office“. Das berücksichtigen neue Bürokonzepte beispielsweise durch reversible Büros und „Desk-Sharing“. Reversible Büros stellen Büros mit unterschiedlichen Dimensionen und Ausstattungsmerkmalen für unterschiedliche Nutzungssituationen dar. Feste Wände sind hier die Ausnahme. Anstelle dessen gibt es Raumgliederungs- oder Trennwandsysteme, wie sie Aussteller der A+A zeigen werden. Wenn sich eine bestimmte Anzahl von Beschäftigten eine begrenzte Anzahl von Arbeitsplätzen teilen, dann wird von „Desk-Sharing“ gesprochen. Zu Arbeitsbeginn wird der Arbeitsplatz „aufgebaut“ und am Ende „abgebaut“, damit er danach für einen anderen Mitarbeiter zur Verfügung steht. Alle neuen Konzepte erfordern eine besonders hohe Anpassungsfähigkeit des Arbeitsplatzes an verschiedene Nutzer.

Sitzen im Büro
Etwa 70.000 Stunden seines Lebens verbringt der Büromitarbeiter in sitzender Position und belastet damit seinen Körper sehr einseitig. Für Abwechslung sorgen unterschiedliche Sitzpositionen und auch regelmäßige Unterbrechungen der sitzenden Haltung. Ein ergonomischer Bürostuhl ist auf Rollen fahrbar und ermöglicht die stufenlose Einstellung der Sitzhöhe. Die Sitzfläche sollte in ihrer Tiefe und in ihrer Neigung verstellt werden können, Armlehnen in Höhe, Tiefe und seitlicher Position. Die Rückenlehne verfügt idealerweise über eine Beckenkammstütze und ist ebenfalls höhenverstellbar. Eine stufenlos arretierbare „Synchronmechanik“ dient der Verstellbarkeit des Öffnungswinkels zwischen Sitzfläche und Rückenlehne beim Zurücklehnen über die Gewichtsregulierung, wobei sowohl Sitzfläche als auch Rückenlehne in einem bestimmten Verhältnis neigbar sein sollen. Neuere Entwicklungen der A+A-Aussteller aus dem Bereich ergonomischer Möbel stellen Elektromotoren am Stuhl dar. Sie initialisieren eine horizontale Drehbewegung bei feststehender Rückenlehne. Das bringt eine Wechselbelastung für Bandscheibe und Wirbelsäule. Die Unterbrechung der sitzenden Haltung kann durch einen kombinierten Steh-/ Sitzarbeitsplatz oder auch durch Ausgleichsübungen erfolgen.

Behindertengerechtes Büro für Rollstuhlfahrer 
Für den Rollstuhlfahrer ist auf einen barrierefreien Zugang zum Büro über Rampen und/ oder Fahrstühle zu achten. Die Bewegungsfläche zum Büro muss ausreichend breit sein. Die Türen müssen über entsprechende Abmessungen verfügen und leicht zu öffnen sein. Neben manuell zu betätigenden Türöffnern zum automatischen Türöffnen gibt es Sensoren, die den Rollstuhlfahrer frühzeitig erkennen und zum automatischen Öffnen der Tür führen. Die Barrierefreiheit sollte auch den Zugang zu anderen Büros, Besprechungs- und Sozialräumen einbeziehen. Am Arbeitsplatz selbst kommt es auf einen leicht individuell anpassbaren Tisch an. Die Zugänglichkeit zu Arbeitsmaterialien sollte durch Umlauf- oder Drehregale sowie Büro-Paternoster-Regale eigenständig möglich sein. Automatische Zu- und Abführvorrichtungen von Büromaterialien berücksichtigen dabei den eingeschränkten Greifraum. 

„Bad“-Office
Auch wie es nicht gemacht werden sollte, ist bei der A+A 2011 zu sehen – am Beispiel des „Bad“-Office. Häufig wird angenommen, dass die Beschaffung eines hochwertigen Bürostuhls ausreicht, um ein ergonomisches Büro zu gestalten. Raumsparende Konzepte vernachlässigen in der Regel die Förderung der körperlichen Bewegung der Mitarbeiter. Klima, Lärm und Beleuchtung werden vielfach nachlässig gestaltet. Dabei ist eine ganzheitliche Betrachtung von Möblierung, Klima, Lärm, Beleuchtung und Raumkonzept entscheidend. Selbst, wenn diese ganzheitliche Betrachtung bei der Neugestaltung von Büros berücksichtigt wird, geht diese häufig bei Veränderungen oder Ergänzungen des Büros verloren.

Green Office
Unter dem Stichwort „Green Office“ beschäftigt sich das Fraunhofer Institut mit nachhaltiger Bürogestaltung. Dabei werden ressourcenschonende Informations- und Kommunikationstechnologien, Gebäudegestaltung und –technik, Innenausstattung und Möblierung sowie das Nutzerverhalten im Hinblick auf Nachhaltigkeit analysiert.

Neue Konzepte zur Arbeitszeit und Arbeitsorganisation
Die Gesellschaft für Arbeitswissenschaft ist Kooperationspartner der A+A 2011. Sie veranstaltete am 19. Oktober im Rahmen der A+A 2011 ihre diesjährige Herbstkonferenz. Bedingt durch die veränderten Anforderungen an die Flexibilität und Mobilität der Beschäftigten ist die zeitliche Lage und Verteilung von Tätigkeiten von hoher arbeitswissenschaftlicher Relevanz. Dies gilt für arbeitsorganisatorische Fragen während eines Arbeitstages, aber auch für die zeitliche Folge mehrerer Arbeitstage, die Betrachtung über Jahre oder gar über ganze Phasen des Erwerbslebens.

Von Bedeutung für die Arbeitsorganisation ist hier zum Beispiel die Frage, ob und wie zwischen einzelnen Tätigkeiten im Sinne einer Job-Rotation gewechselt werden sollte oder wann ggf. zusätzliche Erholungsabschnitte eingeplant werden müssen. Wie die zeitliche Aufeinanderfolge von Arbeitstagen gestaltet werden sollte, ist nicht zuletzt bei Beschäftigung in globalen Netzwerken bedeutsam. Die Betrachtung von unterschiedlichen Arbeitsinhalten über Jahre hinweg ist für die Karriereplanung, aber auch für die Beschäftigungsfähigkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wichtig. Schließlich ist die Planung von unterschiedlichen Phasen des Erwerbslebens mit so genannten unterschiedlichen Modellen der Lebensarbeitszeit ein aktuell diskutiertes Thema. Die momentanen Diskussionen sind nicht zuletzt durch den demografische Wandel mit ausgelöst. Dies bezieht sich auf die Frage der Verteilung von Zeit für die Arbeit und Zeit für die Familie bei jüngeren Menschen, aber auch die Frage der Verteilung von Arbeitszeit und Zeit für Erholung bei älteren Menschen.

Informationen zur A+A 2011, zu Ausstellern, Produkten und Programmübersichten sind online abrufbar: www.AplusA.de

A+A 2011

Autor: Prof. Dr.-Ing. Kurt Landau (u. a. von 1995 – 2005 Leiter des Instituts für Arbeitswissenschaft IAD an der TU Darmstadt)

Die nächste A+A findet in Düsseldorf vom 05. - 08. November 2013 statt.